Wer eine sexuell übertragbare Krankheit mit Haut- und Schleimhautentzündungen (die man oft nicht bemerkt), mit Ausfluss oder Eiterbildung hat, kann sich beim unge-schützten Sex leichter mit HIV anstecken oder HIV leichter an andere weitergeben.
Nach einer Ansteckung sind grippeähnliche Beschwerden möglich (Fieber, geschwollene Lymphknoten), die im ersten Monat auftreten können; man spricht hier vom „Primärinfekt“.
Bei solchen Symptomen in zeitlicher Nähe zu einem Risikokontakt sollte man daher auch an die Möglichkeit denken, dass eine Ansteckung mit HIV vorliegen könnte. Nach dem Primär-infekt folgen meist viele Jahre ohne besondere Krankheitszeichen, obwohl sich das Virus weiter vermehrt und das Immunsystem schädigt. Wenn die Infektion nicht entdeckt und behandelt wird, können Symptome wie lang anhaltende Durchfälle, Lymphknotenschwellungen an mehreren Stellen oder starker Nachtschweiß auftreten. Im Stadium Aids ist das körpereigene Abwehrsystem so schwach, dass es zu schweren, zum Teil lebensbedrohlichen Infektionen und Tumoren kommt.
Eine HIV-Infektion wird durch eine Blutuntersuchung (Antikörpertest) festgestellt, in der Regel frühestens drei Monate nach dem letzten Risikokontakt. Testen lassen kann man sich z. B. im Gesundheitsamt; dort wird das Ergebnis, anders als beim Arzt oder im Labor, nicht mit allen möglichen (z. B. versicherungsrechtlichen) Folgen „aktenkundig“.
Mit antiretroviralen Medikamenten kann man das Virus heute meist lange Jahre gut in Schach halten. Das heißt allerdings, dass man chronisch krank ist und die Behandlung lebenslang fortführen muss. Zum heutigen Zeitpunkt ist eine Heilung von HIV nicht möglich.
Hepatitis A / B / C
Eine Hepatitis (auch Gelbsucht genannt, weil es manchmal - allerdings
eher selten - zur Gelbfärbung von Haut und Augen kommt) ist eine Ent-zündung der Leber. Bei der Virushepatitis sind gegenwärtig sechs ver-schiedene Formen bekannt: Hepatitis A, B, C, D, E und G. Die Erreger
dieser Infektionen werden hepatotrope Viren genannt, da sie ganz
spezifisch Leberzellen befallen. Sie gehören zu jeweils unterschiedlichen Virusfamilien.
Die Übertragung erfolgt entweder über die Nahrung oder durch den Austausch von Körper-flüssigkeiten wie Sperma und Blut. Auch hinsichtlich des Krankheitsverlaufs und der Schwere der Erkrankung sind Unterschiede zwischen den verschiedenen Formen zu beobachten. Während Hepatitis A und E grundsätzlich akut auftreten, können Hepatitis B, C und D zu chronischen Verläufen mit teilweise schweren Komplikationen.
Hepatitis A
Die Hepatitis A wird vor allem durch verunreinigte Lebensmittel (auch Wasser) und durch Kontakt mit Kot (z.B. beim Arschlecken oder bei Fingerspielen) übertragen. Nach einer Inkubationszeit von 2-9 Wochen treten Symptome wie Durchfall, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit und Gelbsucht auf. Chronische Verläufe sind nicht bekannt. Eine überwundene Erkrankung führt zu lebenslanger Resistenz gegen das Hepatitis-A-Virus. Wirksame Medikamente gegen die Krankheit gibt es nicht. Zur Prophylaxe wird eine Schutzimpfung empfohlen. Darüber hinaus sollten z.B. bei Reisen in besonders betroffene Regionen hygienische Vorsorgemaßnahmen getroffen werden.
Hepatitis B
Das Hepatitis-B-Virus wird vor allem beim Sex und durch Blut übertragen. Nach einer Inkubationszeit von 1-6 Monaten treten Symptome ähnlich wie bei der Hepatitis A auf. In den meisten Fällen heilt eine Hepatitis B vollständig aus, danach ist man dann vor einer erneuten Ansteckung geschützt. In ca. 10 % der Fälle geht eine akute Hepatitis-B in einen chronischen Verlauf über, wobei schwerwiegende Komplikationen auftreten können (bei Menschen mit einer Immunschwäche, z.B. HIVPositiven mit wenig Helferzellen, allerdings deutlich häufiger!). Eine chronische Hepatitis B kann zu schweren Leberschäden bis hin zu Leberkrebs und Leberversagen führen. Die Behandlung ist nicht einfach und schlägt nur bei etwa einem Drittel der Patienten an. Als Therapie werden Interferon-Alpha und spezielle Virostatika (=Mittel gegen Viren) eingesetzt. Auch hier wird zur Vorbeugung eine Schutzimpfung empfohlen.
Hepatitis C
Die Hepatitis C ist die schwerste Form. Das Virus wird meist durch Blut übertragen, auch beim Sex. Das Ansteckungsrisiko steigt, wenn ein Partner auch noch eine andere sexuell übertragbare Krankheit hat. 50-80 % der Infektionen werden chronisch und führen über die Jahre zu schweren Leberschäden bis hin zu Leberkrebs und Leberversagen (bei HIV-Positiven verläuft eine chronische Hepatitis C in der Regel schneller und führt häufiger zu einem Leberversagen). Auch hier ist die Behandlung schwierig. Anders als bei Hepatitis A und B ist man nach einer ausgeheilten Hepatitis C nicht vor einer erneuten Ansteckung geschützt! Gegen Hepatitis C kann man sich nicht impfen lassen. Deshalb ist es wichtig, auf Safer Sex zu achten. Beim Fisten sollten immer Handschuhe getragen werden und fettfreie Gleitmittel verwendet werden.
Chlamydien
Chlamydien, intrazellulär lebende Bakterien der Familie Chlamydiaceae, mit verschiedenen Untergruppen (sog. Serovaren).
Epidemiologie
Jährlich weltweit schätzungsweise 92 Millionen Infektionen, davon 5 Millionen in Europa. Die Häufigkeit ist abhängig von der Häufigkeit sexueller Aktivität; am stärksten ist die Altersgruppe zwischen dem 20 und 30. Lebensjahr betroffen, Frauen sind häufiger infiziert.
Übertragungswege
Direkter Schleimhautkontakt mit infektiösem Sekret, z.B. bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr.
Symptomatik
Eine Infektion mit Chlamydia trachomatis kann je nach Untergruppe (sog. Serovar) zu unterschiedlichen Erkrankungen führen: Serovare A-C verursachen die Augenkrankheit Trachom, Serovare D-K sind die häufigsten Erreger der nicht-gonorrhoischen Urethritis (Harnröhrenentzündung), außerdem u.a. von Zervizitis, Salpingitis (Eileiterentzündung) oder Epididymitis (Nebenhodenentzündung); Infektionen des Darms (Proktitis) sind möglich. Serovare L1-L3 sind Erreger des Lymphogranuloma inguinale.
Diagnose
Nachweis in Blut oder Urin mit Polymerasekettenreaktion (PCR) oder Ligaseketten-reaktion (LCR), Direktnachweis im Abstrichpräparat mit Immunfluoreszenztechnik oder Enzymimmunassay möglich.
Meldepflicht
Nicht für sexuell übertragene Chlamydien-Infektionen, aber für Chlamydia psittaci (Erreger einer seltenen Lungenentzündung).
Therapie
Medikamentös (Antibiotika) z.B. mit Tetrazyklin, Erythromycin, Cotrimoxazol.
Prophylaxe
Verwendung von Kondomen und Safer Sex.
HIV-assoziierte Besonderheiten
Chlamydien-Infektionen begünstigen wahrscheinlich die Übertragung von HIV-Infektionen.
Herpes genitalis
Das DNA-Virus Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV 2), auch als Herpes hominis bezeichnet.
Epidemiologie
In Westeuropa bei 4-18% der Allgemeinbevölkerung nachweisbar, bei 10-40% der HIV-Infizierten, bei Personen mit anderen sexuell übertragbaren Infektionen in 20-80%.
Übertragungswege
Kontaktinfektion, Tröpfcheninfektion.
Symptomatik
Nach einer Inkubationszeit von wenigen (2-12) Tagen bis Wochen schmerzhafte Haut- bzw. Schleimhautveränderungen v.a. an Penis, Vulva und Vagina (Vulvovaginitis herpetica), Gebärmutterhals, Analbereich oder Darm; Juckreiz, Hautrötung, und Bildung von Bläschen, die sich schließlich öffnen; eventuell Fieber, Lymphknotenschwellung. Als Komplikation kann ein Befall größerer Hautareale oder innerer Organe auftreten. Rezidive sind häufig.
Diagnose
Direkter Erregernachweis in Abstrichen aus Bläschen, Antigentests; eventuell Polymerasekettenreaktion (PCR) oder Ligasekettenreaktion (LCR).
Meldepflicht
Nein.
Therapie
Ggf. Virostatika (z.B. Aciclovir, Famciclovir oder Valaciclovir) zur Begrenzung der Ausbreitung. Bei häufigen Rezidiven eventuell anhaltende Suppressionstherapie.
Prophylaxe
Kondome und Vermeidung von Kontakt mit infektiöser Bläschenflüssigkeit.
HIV-assoziierte Besonderheiten
Infektionen können insbesondere bei Immunschwäche generalisiert verlaufen und häufig rezidivieren.
Syphilis (Lues) 
Das Bakterium Treponema pallidum.
Epidemiologie
Weltweit kommt es schätzungsweise zu jährlich 12 Millionen Erkrankun-gen. In Deutschland ist gegenwärtig mit 3.000-4.000 Erkrankungen pro Jahr zu rechnen; zwei Drittel der Erkrankten sind Männer; in den letzten Jahren wurde ein Anstieg bei schwulen Männern beobachtet. Wie Präv-entions-kampagnen in den USA zeigen, kann die Zahl der Neuinfek-tionen durch Aufklärung, Information und frühe Behandlung erheblich gesenkt werden (in den USA 2001 niedrigste gemeldete Zahl von Syphilis-Fällen seit
10 Jahren).
Übertragungswege
Ansteckungen sind in Stadium I und II vor allem durch Kontakt mit den bei Erkrankung auftretenden Geschwüren möglich (Kontaktinfektion), z.B. bei Geschlechtsverkehr, aber auch Streicheln, Fisten u.a. Eintrittspforte sind kleine Verletzungen (Mikroläsionen) an Schleimhäuten oder Haut. Übertragung auch durch direkten Blutkontakt (Bluttransfusionen, gemeinsame Spritzbesteckverwendung bei Drogengebrauch) möglich. Da Treponema pallidum außerhalb des Körpers nur für kurze Zeit überlebensfähig ist, sind indirekte Übertragungen (z.B. Schmierinfektionen über gemeinsam benutzte Dildos, Spielzeuge oder Handtücher) sehr selten.
Symptomatik und Verlauf
Durch einen vielfältigen, individuell sehr unterschiedlichen Verlauf mit variablen klinischen Zeichen gekennzeichnet. Klinisch werden die erworbene Syphilis und die angeborene Syphilis (auch Lues connata) unterschieden; die erworbene Syphilis wird in Frühsyphilis (Stadium I und II) und Spätsyphilis (Stadium III und IV) eingeteilt. Unbehandelt verläuft eine erworbene Syphilis in verschiedenen, ohne ausreichende Therapie aufeinander folgenden Stadien: Stadium I: sog. Primärstadium, in dem ein kleiner, rundlich-ovaler, rötlicher Fleck als Primäraffekt am Eintrittsort auftritt und sich zu einem schmerzlosen, hochinfektiösen Geschwür verhärtet (sog. harten Schanker, Ulcus durum). Nach 3-5 Wochen kommt es zur Entzündung von Lymphbahnen (Lymphangitis) und Lymphknoten und einer schmerzlosen Lymphknotenvergrößerung (sog. Bubo).
Abheilung des Ulcus in der 8.-12. Woche, es folgt das sog. Eruptionsstadium mit allgemeinem Krankheitsgefühl, Nervenschmerzen (Neuralgien), Muskel-, Gelenk- und Knochenschmerzen, das den Übergang zum Stadium II kennzeichnet: nicht juckende Haut- und Schleimhauterscheinungen (sog. Syphilide), später Ausbildung von breiten Kondylomen (Condylomata lata), hellroten Hautflecken (Roseola), eventuell Mitbeteiligung anderer Organe (als Leber- oder Gefäßentzündung, Herz[muskel]schädigung, Augenentzündungen, eventuell erste Zeichen einer Mitbeteiligung des Nervensystems) und Haarausfall. Stadium III: ca. 3-5 Jahre nach Infektion (auch später) Ausbildung von Hautgeschwüren, großen Papeln und gummatösen Schwellungen an Schleimhäuten, knotige Infiltrate an Blutgefäßen und inneren Organen (sog. Syphilide), an denen in der Folge entzündliche Reaktionen auftreten. Stadium IV: sog. Neurosyphilis mit Beteiligung von Gehirn, Rückenmark bzw. Nervensystem; es werden unterschieden:
1. Tabes dorsalis: sog. Rückenmarkschwindsucht; mit Degeneration der Hinterstränge des Rückenmarks und entzündlichen Veränderungen der Wurzeln der Rückenmarknerven; Auftreten in ca. 2-3% nach ca. 8-12 Jahren. Symptome: Pupillenstörungen (z.B. fehlende Pupillenreaktion, Engstellung), Augenmuskellähmungen, Sensibilitätsstörungen (v.a. verminderte oder aufgehobene Berührungsempfindlichkeit, Hyp- bzw. Anästhesie; Kribbelgefühl, Parästhesie), Fehlen von Muskeleigenreflexen, herabgesetzte Muskelspannung, Gelenkveränderungen, vegetative Störungen mit Bildung trophischer Ulzerationen besonders an den Fußsohlen, anfallartig auftretende, plötzlich einschießende Schmerzen und schmerzhafte tabische Krisen (meist im Oberbauch), Gang- und Gleichgewichtsstörungen, Blasen- und Mastdarmstörungen, Erektionsstörungen.
2. Lues cerebrospinalis: mit Beteiligung von Gehirn und Rückenmark; Formen:
a) vaskuläre Form mit intrazerebralen Gefäßendzündungen und -verschlüssen (Heubner-Krankheit), als Symptome treten abhängig von der Lokalisation Lähmungen, ein hirnlokales Syndrom, Hirnstammsyndrome (mit vegetativen Ausfällen), Hirnnervenausfälle und (bei Rückenmarkbeteiligung) Gangstörungen, Störungen des Lagesinns u.a. auf;
b) meningitische Form mit Beteiligung von Hirnhaut und Gehirn mit Kopfschmerzen, Empfindlichkeit gegenüber Lichteinfällen, Nackensteifigkeit, Hirnnervenausfälle (v.a. Augenmuskellähmungen), Sehnervenentzündung (mit Sehstörung) und Sensibilitätsstörungen im Gesichtsbereich;
c) gummöse Form mit Ausbildung von Gumma, die von den Hirnhäuten (Meningen) ausgehen und in Abhängigkeit von der Lokalisation neurologische Ausfälle, psychische Alterationen, Lähmungen, Sprachstörungen, epileptische Anfälle, bei Beteiligung des Rückenmarks auch Rückenschmerzen, Sensibilitätsstörungen und Lähmungen (bis zu Querschnittläsion) verursachen können.
3. Progressive Paralyse: Auftreten in 8-10% nach ca. 10-15 Jahren; durch entzündliche Veränderungen des Großhirns, uncharakteristische Beschwerden (Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Schwindel u.a.), z.T. epileptische Anfälle, Pupillenstörungen, Geh- und Gleichgewichtsstörungen (Tabes dorsalis) sowie psychopathologische Symptome wie zunehmende Demenz, Sprechstörungen, eventuell Manie und Größenwahn geprägt ist. Seltenere Form ist die sog. Lissauer-Paralyse, bei der neuropsychologische Herdsymptome wie Sprechstörungen (Aphasie), Störungen von Handlungen und Bewegungsabläufen (Apraxie), eventuell Schreibstörungen (Agraphie) oder Erinnerungsverlust (Amnesie) im Vordergrund stehen.
Diagnose
Eventuell schwieriger mikroskopischer Nachweis von Treponema pallidum in Primäraffekt bzw. Lymphknotenpunktat oder Liquor cerebrospinalis; serologisch: 1. Treponema-pallidum-Hämagglutinations-Test (TPHA-Test), wird ca. 3 Wochen nach Infektion positiv; 2. FTA-ABS-Test, wird ca. 2 Wochen nach Infektion positiv. Vom Nachweis von Treponema pallidum zu unterscheiden ist die Differenzierung und Beurteilung der Aktivität einer Syphilis (Behandlungsbedürftigkeit!) mittels VDRL-Test (etwa ab 5. Woche positiv) oder Kardiolipinbindungsreaktion (Komplementbindungs-reaktion); Beurteilung des Therapieerfolgs anhand des Antikörperverlaufs, häufig bleiben typische Antikörper erhalten (sog. Serumnarbe).
Meldepflicht
Nichtnamentlich (anonym) meldepflichtig.
Therapie
Die Behandlung sollte so früh wie möglich erfolgen, die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Krankheitsstadium. Therapie der Wahl sind in jedem Krankheitsstadium Penicilline (i.d.R. intramuskuläre Gabe, bei regional beobachteter verringerter Empfindlichkeit der Erreger eventuell langfristig hochdosiert), bei angeborener Syphilis z.B. Benzylpenicillin; bei Allergie oder Unverträglichkeit eventuell Doxycyclin, Ceftriaxon oder Erythromycin (nicht liquorgängig, daher nicht bei Neurosyphilis). Eine Heilung der Syphilis ist in jedem Stadium möglich, jedoch bilden sich bereits vorhandene Organschäden in der Regel nicht zurück.
Prophylaxe
Eine Verringerung des Infektionsrisikos ist durch Verwendung von Kondomen bzw. Latexhandschuhen (Fisten) möglich; Dildos und Spielzeuge sollten nur von einer Person benutzt und vor Weitergabe lange und gründlich gereinigt werden. Information, Aufklärung und frühzeitige und konsequente Behandlung (unter Einschluss von Sexualpartnern und -partnerinnen) tragen zu einem erheblichen Rückgang von Neuinfektionen bei.
HIV-assoziierte Besonderheiten
Bei ausgeprägter Immunschwäche kann es zu beschleunigten oder atypischen Verläufen kommen; u.a. wurden Fälle beschrieben, bei denen die Symptomatik auf einen Verlauf wie bei einer "Reaktivierung" einer (bereits behandelten) Syphilis hinwies. Bei neurologischen Symptomen sollte immer auch das Vorliegen einer Syphilis mit Beteiligung des Nervensystems ausgeschlossen werden. Primäraffekte einer Syphilis begünstigen als Kofaktor die Übertragung von HIV-Infektionen.
Tripper (Gonorrhoe) 
Das Bakterium Neisseria gonorrhoeae (sog. Gonokokken).
Epidemiologie
Weltweit schätzungsweise ca. 60 Millionen Neuerkrankungen jährlich; in Deutschland schätzungsweise 25.000-35.000 Neuerkrankungen jähr-lich. Die Häufigkeit ist abhängig von der sexuellen Aktivität (Zunahme mit der Zahl der Sexualpartner bzw. -partnerinnen) und ist in großstädtischen Ballungsgebieten höher. Zurzeit wird in den USA und Westeuropa eine Zunahme von Neuinfektionen vor allem bei Männern beobachtet. Übertragungswege: Geschlechtsverkehr (vaginal, anal, oral), selten Schmierinfektion.
Symptomatik
Nach 2-7 Tagen kommt es bei Männern in ca. 70% zu Harnröhrenentzündung (Urethritis) mit Schmerzen beim Wasserlassen, eitrigem Harnröhrenausfluss (morgendlicher sog. Bonjour-Tropfen), Rötung der Eichel; bei Frauen in ca. 60% symptomarmer Verlauf: Entzündung von Muttermund (Zervizitis) und Harnröhre (Urethritis) mit Ausfluss (Fluor vaginalis) und Brennen beim Wasserlassen, Bartholinitis; eine Scheidenentzündung (Vaginitis) ist infolge der Schutzfunktion der Vaginalflora eher selten. Als extragenitale Infektionen können bei beiden Geschlechtern eine Gonorrhoe des Anorektalbereichs (Proktitis) mit typischen Symptomen und des Kehlkopfs (pharyngeale Gonorrhoe, Pharyngitis) mit eventuell nur geringen, uncharakteristischen Symptomen vorkommen; eine Gonoblennorrhoe mit Entzündung der Augenbindehaut tritt v.a. bei Neugeborenen erkrankter Mütter nach der Geburt auf.
Komplikationen
Bei Männern Prostatitis, Nebenhodenentzündung (Epididymitis), bei chronischem Verlauf eventuell Harnröhrenverengung (Striktur); bei Frauen aufsteigende Infektion des Genitaltrakts mit Endometritis, Eileiterentzündung (Salpingitis) mit kolikartigen Schmerzen, Bauchfellreizung und hohem Fieber, Perioophoritis, Tuboovarialabszess, chronische Adnexitis; als Spätfolgen können eventuell Sterilität und Eileiterschwangerschaften auftreten; selten kommt es zu Sepsis, Herzentzündung (Endokarditis) oder Gelenkentzündungen (Arthritis).
Diagnose
Nachweis von Gonokokken in Ausstrich und Kultur; in Einzelfällen eventuell Polymerasekettenreaktion (PCR).
Meldepflicht
Nein.
Therapie
Medikamentös mit Antibiotika (z.B. Spectinomycin, Ceftriaxon, Ciprofloxacin, Azithromycin), bei aufsteigender (komplizierter) Gonorrhoe Ceftriaxon, Erythromycin oder Ciprofloxacin; bei Augenbeteiligung Ceftriaxon; sorgfältige Kontrolluntersuchungen. Bei der Therapie sollte auf eventuell vorhandene Antibiotika-Resistenzen von Neisseria gonorrhoeae geachtet werden!
Partnermitbehandlung
Eine unverzügliche Mitbehandlung von Sexualpartnern und -partnerinnen wird empfohlen.
Prophylaxe
Verringerung des Infektionsrisikos durch Kondome und Safer Sex, bei Orogenitalkontakten Verwendung von Latexfolien (Dental Dam). Dildos und Sexspielzeuge sollten nur bei einer Person benutzt und vor Weitergabe an andere lange und gründlich gereinigt werden.
Krätze (Skabies)

Krätzmilben (Sarcoptes scabiei).
Epidemiologie
Mangelnde persönliche Hygiene (z.B. in Krisensituationen oder Kriegsgebieten) begünstigt das Auftreten; rasche Ausbreitung in Ge-meinschaftseinrichtungen (z.B. Alten- und Pflegeheime, Wohngemeinschaften) möglich.
Übertragungswege
Kontaktinfektion von Mensch zu Mensch, selten von Hund zu Mensch.
Symptomatik
Starker Juckreiz, der bei Wärme zunimmt (z.B. nachts unter der Bettdecke), oft ekzemartiger Hautausschlag mit Knötchen, Krusten, Kratzeffekten und Pusteln, eventuell bakterielle Sekundärinfektion; bis 1 cm lange Gänge in der Haut, bevorzugt an Fingern, Fingerzwischenräumen, Handgelenkbeugen, vorderer Achselfalte, Brustwarzenhof, Penis. Die Infektion hinterlässt eine Überempfindlichkeit gegen Milbenexkremente, die etwa 10 Jahre anhält und in dieser Zeit (wegen des sofort entstehenden Juckreizes) Neuansteckungen weniger wahrscheinlich macht.
Sonderformen
1. Scabies discreta mit abgemilderten Symptomen bei Menschen, die sich häufig waschen.
2. Scabies nodosa mit allergisch bedingten Knötchen, die trotz Therapie monatelang bestehen.
3. Scabies norvegica (Boeck-Scabies) mit Hautrötung und Borkenbildungen an Händen und Füßen, die massenhaft Milben enthalten, Vorkommen v.a. bei ausgeprägtem Immundefekt (z.B. bei HIV-Infektion, HTLV-1-Infektion, Unterernährung, Tumorerkrankungen).
Diagnose
Abtragung eines gangtragenden Hautstückchens und mikroskopische Untersuchung.
Meldepflicht
Nein.
Therapie
Einreiben des ganzen Körpers vom Hals abwärts mit Permethrin-Creme, Hexachlorcyclohexan oder Lindan-Benzylbenzoat-Emulsion (an 3 aufeinander folgenden Tagen), eventuell Einmalbehandlung mit Ivermectin; Kleidungs- und Bettwäschewechsel.
Prophylaxe
Vermeidung von engen Körperkontakten; eine gesunde und gepflegte Haut verringert das Infektionsrisiko.
Partnermitbehandlung
Behandlung von Sexualpartnern und -partnerinnen sowie von Personen aus dem Wohnumfeld.
HIV-assoziierte Besonderheiten
Bei fortgeschrittener Immunschwäche eventuell ausgeprägte Verlaufsform als sog. Scabies norvegica (Boeck-Scabies) mit Hautrötung und Borkenbildungen an Händen und Füßen, die massenhaft Milben enthalten und hoch ansteckend sind.
Filzläuse 
Andere Bezeichnungen: Phthiriasis, Pedikulose. Die sog. Scham- oder Filzlaus (Phthirus pubis bzw. inguinalis).
Übertragungswege
Enger körperlicher Kontakt, Sexualkontakt, selten Kontakt mit kontami-nierten Gegenständen (z.B. Toilettensitz, Bettwäsche, Handtücher).
Symptomatik
Bei Erstinfektion (mäßiger) Juckreiz, bei erneuten Infektionen infolge einer Allergisierung (gegen Laus-Exkremente) sehr ausgeprägter Juckreiz; deutlich erkennbare Läuse und Eier (Nissen), v.a. im wurzelnahen Bereich der Haare; bei Schamlausbefall gerötete bis tiefblaue Einstichstellen (sog. Taches bleues), v.a. im Bereich der Schambehaarung, manchmal auch der Achselhöhle und am Oberschenkel.
Diagnose
Läuse und ihre Eier (Nissen) sind mit dem bloßen Auge, mit der Lupe oder einem Dermatoskop zu erkennen.
Meldepflicht
Nein.
Therapie
Entlausung durch Aufsprühen oder Auftragen von Permethrin, Lindan bzw. Pyethrine-Piperonylbutoxid, Entfernen der Nissen mit einem feinen Kamm, eventuell Haarentfernung (vollständige Rasur); Desinfektion von Kleidungsstücken und Wäsche.
Prophylaxe
Die einzige Möglichkeit, einen Schamlausbefall zu verhindern, besteht in der Vermeidung von engen Körperkontakten.
Partnermitbehandlung
Mitbehandlung von Sexualpartnerinnen und -partnern der letzten 4 Wochen unter Einschluss anderer Kontaktpersonen (Wohnumfeld, Gemeinschaftseinrichtungen).